In drei Teilen hat die conCBS Prof. Dr. Dr. Dietmar Janetzko die wichtigsten Fragen über zwei Digitalisierungs-Topthemen gestellt. Im zweiten Teil gibt Prof. Janetzko Einblicke in Digitalwährungen, die Crypto Currencies.

Was sind Digitalwährungen (Crypto Currencies)?

Der Handel im Internet ist zwingend auf Bezahlsysteme angewiesen. Bei der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung solcher Systeme kann man zwischen zwei Gruppen unterscheiden: Eine Gruppe von Bezahlsystemen lässt existierende Banken intakt, ja stärkt diese sogar noch. Hierzu zählt beispielsweise PayPal. Die zweite Gruppe von Bezahlsystemen versucht jedoch völlig neue Wege zu gehen. Systeme dieser Art setzen darauf, bei Bezahlvorgängen mächtige Player im Finanzsystem zu umgehen, wie Geschäftsbanken, Notenbanken und Regierungen. Crypto Currencies fallen in diese Gruppe der Bezahlsysteme.

In ihrem Ursprung sind Crypto Currencies eine Gegenbewegung zum Establishment. Hier gibt es auch ideelle Verbindungen zu Organisationen wie WikiLeaks. Interessanterweise stoßen die für Digitalwährungen entwickelten Technologien jetzt aber sehr wohl beim Establishment, in diesem Fall bei Banken, Staaten und so weiter auf Interesse. Denn eine Reihe von Zielen von Crypto Currencies, wie z.B. die Umgehung von Intermediären, sind auch Kernanliegen von rationalem bzw. wirtschaftlichem Handeln. So ist ein Ziel von Crypto Currencies, Vertrauen zu erzeugen, ohne auf zentrale Instanzen (z.B. Banken) zurückzugreifen. Damit dies gelingt, muss beispielsweise gewährleistet sein, dass man digitales Geld nicht zweimal ausgeben kann. Dieses „double-spending“ Problem war in vielen Entwürfen für Crypto Currencies ungelöst. Erst Satoshi Nakamoto – der geheimnisumwitterte Entwickler von Bitcoin, dessen Identität unklar ist – hat dafür eine Lösung gefunden und 2008 in einem White Paper (https://bitcoin.org/bitcoin.pdf) veröffentlicht, einen Monat nach Zusammenbruch von Lehman Brothers. In der Folge wurde Bitcoin die erste Crypto Currency. Das hinter Bitcoin stehende Konzept wurde oft kopiert bzw. weiterentwickelt. Dies hat zu zahlreichen weiteren Crypto Currencies wie z.B. Ethereum geführt.

Wie funktionieren Crypto Currencies?

Die Bezeichnung Crypto Currencies hebt bereits hervor, dass hier ausgiebig mit Kryptographie, also Verschlüsselungstechnologien gearbeitet wird. Verschlüsselung ist ja auch in anderen Bereichen unverzichtbar, z.B. bei der Übertragung von Daten beim Online-Banking. Satoshi Nakamoto hat gezeigt, dass Verschlüsselung nicht nur bei der Datenübertragung, sondern auch bei vielen anderen Fragen im Zusammenhang mit der Organisation einer Währung entscheidend ist. Verschlüsselung trägt zur Lösung des „double-spending“ Problems bei. Auch die Geldschöpfung, beim Bargeld traditionellerweise ein Privileg der Notenbanken, erfolgt bei Crypto Currencies über Verschlüsselung und heißt hier „mining“. Eine zweite konzeptionelle Säule von Crypto Currencies, neben der Verschlüsselung, ist der verteilte Ansatz „peer-to-peer“. Tausende von Rechnern haben in kompakter Form sämtliche Transaktionen, die Blockchain, heruntergeladen und prüfen jede neue Transaktion. Beides – Verschlüsselung und der verteilte Ansatz beziehungsweise „mining“ und „peer-to-peer“ – greifen ineinander bei der Abwehr von Betrug bzw. dem Schaffen von Vertrauen.

Im dritten Teil der Serie über Blockchain-Technologie und Crypto Currencies gibt Prof. Dr. Dr. Dietmar Janetzko Antworten auf Fragen zur zukünftigen Entwicklung von Kryptowährungen.

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